Fuel Switch – wann lohnt sich die Umstellung von Energieträgern?

Die Umstellung energieintensiver Prozesse von fossiler auf erneuerbare Energie ist ein wichtiger Baustein für eine gelingende Energiewende und birgt für viele Unternehmen wirtschaftliches Potenzial. Die entscheidenden Fragen sind, wie stellt sich dieses konkret dar und welche Voraussetzungen sollten gegeben sein? Erfahren Sie mehr!

Wärmepumpen als Treiber der Umstellung von Gas auf Strom

Die Umstellung von Wärmeprozessen (z.B. Trocknung, Verdampfung, Sterilisation, Prozesswasser etc.) von Erdgas auf (erneuerbaren) Strom ist aufgrund der immer besser werdenden Wärmepumpentechnologie an vielen Stellen wirtschaftlich attraktiv. Insbesondere im Temperaturbereich bis etwa 100 °C, der heute von modernen Hochtemperaturwärmepumpen wirtschaftlich erschlossen werden kann, können Wärmepumpen mit Leistungszahlen (COP) von 3 und darüber einen enorm hohen Wirkungsgrad erreichen, verglichen mit gasbetriebenen Brennern. Davon können Unternehmen mit Eigenerzeugungsanlagen genauso profitieren wie Unternehmen, die ihre Energie komplett vom Markt beziehen.

Die Umstellung am konkreten Beispiel

In unserem Fall verfügt der Kunde nicht über nennenswerte Eigenerzeugung, wohl aber über mehrere Anlagen zur Trocknung von verschiedenen Materialien, die vor Ort veredelt werden. Die beispielhafte Anlage benötigt zur Trocknung knapp 100 °C Prozesswärme, die bislang mit Gasbrennern erzeugt werden, mit einem Jahresverbrauch von ca. 20.000 MWh (Gas) bei rund 8.500 Benutzungsstunden p.a.

Die geplanten Wärmepumpen sollten die Gasbrenner nicht komplett ersetzen, sondern ergänzen. Für die Berechnung wurde ein Nutzungsgrad der Gasfeuerung von 90 % sowie eine Leistungszahl (COP) der Wärmepumpe von 2,5 angenommen. Zur Berechnung der Energiepreise wurden staatliche Beihilfen ebenso berücksichtigt wie Sonderkonditionen beim Gasbezug.

Einsatzdauer der Wärmepumpe und Effizienz

Der Abgleich der Verbrauchsprofile mit den Energiepreisen ergab im Backtest 2025 (also zu damaligen Preisen) deutliche Argumente für den Einsatz von Wärmepumpen:

Mit Einsätzen von mindestens 6 aufeinanderfolgenden Stunden kam die Wärmepumpe mit Heizregister in diesem Fall auf annähernd 4.000 Stunden im Jahr und führte dadurch zu Ersparnissen bei den Energiekosten von rund 20 %. Gesteuert wurde der Einsatz in Abhängigkeit von den Marktpreisen und unter Berücksichtigung der Grenzkosten der Wärmeerzeugung bzw. den Preisentwicklungen der Energieträger Erdgas und Strom. Auch bei einer kompletten Umstellung auf Strom ist hier noch eine Einsparung von rund 8 % zu erwarten. Anhand aktueller Preisprognosen und Terminmarktpreise sind in diesem Fall auch für die Folgejahre deutliche Ersparnisse zu erwarten.

Situationsbedingte Attraktivität

Je nach Situation vor Ort kann es also sinnvoll sein, die bestehende Heiz- und Wärmetechnik lediglich um die Wärmepumpentechnik zu ergänzen. Denn damit können Preisschwankungen zwischen den Energieträgern ebenso effektiv genutzt werden wie die Volatilität der Energiepreise allgemein.

Das dargestellte Beispiel zeigt aber auch das Potenzial einer Komplettumstellung von Gas auf Strom. Dieses kann sich, z.B. durch mehr Eigenerzeugung vor Ort, marktoptimierte Fahrweise der Anlagen (sofern möglich), oder auch den Einsatz von Batteriespeichern, in vielen Fällen noch deutlich erhöhen.

Investitionen als ökologische Gegenleistung

Interessant ist die Umstellung von Gas auf Strom auch vor dem Hintergrund staatlicher Beihilfen wie der Besonderen Ausgleichsregelung, der Strompreiskompensation oder dem Industriestrompreis. Investitionen in die Elektrifizierung von Prozessen können – abhängig vom jeweiligen Förder- oder Beihilfeprogramm – als ökologische Gegenleistungen anerkannt werden. Die konkreten Anforderungen sind programmabhängig zu prüfen.

Bildquelle: Reinraum via Wikimedia Commons unter Public Domain 

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